
Sachsen-Mineralien
Bezirksgruppe Ostsachsen der VFMG

Exkursionen und Börsen
SWARCO - Stolz auf kleinste, aber ganz wichtige Glasperlen…
27.02.2026
Jeder Teilnehmer am Straßenverkehr kennt sie, nutzt sie und braucht sie vor allem, um sicher an sein Fahrtziel zu kommen – die Straßenmarkierung, auch Fahrbahn – oder Bodenmarkierung genannt. Die farbliche Kennzeichnung gehört zur Straßenausstattung, dient der eindeutigen Verkehrsführung sowie der Kennzeichnung von Verkehrsflächen und nicht zuletzt auch als Verkehrszeichen. Die im Kontrast zur Farbe der Fahrbahnen stehende Farbgebung der Markierung sowie deren spezielle Material-zusammensetzung sorgt „rund um die Uhr“ sowie bei jedem Wetter und auch schlechteren Sicht-verhältnissen für eine gute optische Führung aller Verkehrsteilnehmer und deren größtmögliche Sicherheit.
Edward N. Hines aus Michigan / USA gilt als „Erfinder“ der Fahrbahnmarkierung, da er bereits im Jahr 1911 vorschlug, weiße Linien auf der Fahrbahnmitte in Brücken- und Kurvenbereichen zu ziehen - und in Deutschland sollen im Jahr 1918 erstmals die Straßen in größeren Städten mit weißen Linien markiert gewesen sein. Anfang der 1970er Jahre wurden erste Kaltspritz-Plastikmarkierungen angewendet und 1984 wurde erstmals auf der A 49 ein Markierungssystem (die sogenannte Typ-II-Markierung) verwendet, das nachts und bei Nässe eine verbesserte Sichtbarkeit ermöglichte.
In die immer weitere Verbesserung und Optimierung der Materialien, ihrer Zusammensetzung und Haltbarkeit bei den äußerst intensiven Dauerbelastungen durch den PKW- und LKW-Verkehr ist auch seit vielen Jahren die SWARCO-Gruppe mit ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit eingebunden. In der SWARCO Schönborn GmbH im gleichnamigen Ort Schönborn im Bundesland Brandenburg wird nämlich ein äußerst wichtiger Bestandteil des Markierungssystems produziert – hochwertige reflektierende Glasperlen für die horizontale Straßenmarkierung.
Diese Produktion kennenzulernen und hautnah zu erleben, war Ziel der ersten Exkursion unseres Vereins am 27. Februar 2026. Wie sich das alles hier in Schönborn entwickelt hat und wie der Produktionsablauf zur Herstellung der Glasperlen funktioniert, das erklärte uns Tobias Gmerek, der als Produktionsleiter tätig ist, im Rahmen einer interessanten und uns alle sehr beeindruckenden Betriebsbegehung. Die an diesem Standort von 29 Mitarbeitern im Schichtbetrieb produzierten retroreflektierenden Mikroglasperlen mit Durchmessern bis zu 2 Millimetern garantieren ein sicheres Erkennen der Fahrbahnmarkierungen sowohl im Dunkeln als auch bei Nässe.
Bei seinen Ausführungen und Erklärungen war Tobias Gmerek anzusehen, dass er stolz auf seine verantwortungsvolle Arbeit und sein Engagement im Unternehmen ist, weil die in Schönborn im Direktschmelzverfahren produzierten Glasperlen als die besten ihrer Klasse weltweite Anerkennung genießen, auf dem Weltmarkt sehr begehrt sind – und es überhaupt nur drei Unternehmen gibt, die dieses spezifische Verfahren zur Produktion dieser Mikroglasperlen anwenden. Beim Rundgang durch die Produktionsanlagen konnten wir dieses Direktschmelzverfahren erleben. Als Ausgangsstoff wird ausschließlich Altglas aus Flachglasscherben verwendet, das zu etwa 65 Prozent des Gemengeanteils ausmacht, dem noch andere Substanzen wie Soda, Feldspat oder mit geringen Eisengehalt belasteter Quarzsand mit einer Körnung von 0,3 Millimetern beigegeben wird. In der Schmelzwanne befinden sich etwa 40 Tonnen geschmolzenes Glas, um eine ausreichende Schmelzzeit zu erreichen. Dieses wird dann in einem speziellen Verfahren zu feinsten Glasfäden (ähnlich einer Perlenkette) „verwandelt“ und diese wiederum zu den „Miniglaskugeln“. Rund 30 Tonnen pro Tag werden so produziert und in die jeweils eine Tonne fassenden „Big Bags“ gegeben. Jeder einzelne dieser Behältnisse wird erst nach eingehender Qualitätskontrolle auf LKW verladen und zu den Kunden transportiert. Übrigens: Für die Produktion einer Tonne Mikroglasperlen werden aktuell noch rund 4500 Kilowattstunden Strom gebraucht!










